Dienstag, April 01, 2008

Leider kein Aprilscherz

Heute wollte ich wieder einmal einen Arzttermin ausmachen, und das sicher nicht aus Langeweile. Und nach meiner persönlichen Erfahrung kann ich diese Studie voll und ganz bestätigen:

Kassenpatienten warten länger als privat Versicherte. Oder warum wird erst bzw. nur gefragt:

Bei welcher Kasse sind Sie versichert ?

Die Frage: Ist es dringend ? fände ich jedenfalls wichtiger und vom Ablauf her sinnvoller.

Dass erst im Mai wieder ein Termin frei war, mag ja für die Qualität der Praxis sprechen, die akuten Beschwerden müssen nun eben wo anders behandelt werden.

Kommentare:

  1. http://tinyurl.com/2yl6je - Was soll man sagen?!

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  2. Das System gehört dringend reformiert, aber das ist ja nicht neu. Auch die kommende Gesundheitsreform setzt hier nicht an.

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  3. Jetzt mal ehrlich:
    Im Wartezimmer sitzen bei Ihnen zwei Verkehrsunfälle:

    1. Ein Zweiergolf, Totalschaden, muss morgen dringend zur Arbeit, weiß aber nicht, wie die Unfallabwicklung läuft, bzw. wo er Geld für einen Leihwagen hernehmen soll.

    2. Ferrari, Totalschaden, ist mit seinem Ersatzmercedes gekommen. Will den Gegner nach "allen Regeln fertigmachen." ("Die Strafsache können Sie auch machen?")

    Sie können aber nur einen übernehmen, da die Termine drängen. Sie würden doch nicht wirklich den Golf-Fahrer nehmen?

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  4. @exklka

    Das ist schlicht zu einfach gedacht und greift nicht Platz. Der Golf-Fahrer kann hochvermögend eben aufgrund sparsamer Lebensweise sein und alle Finanzen gut angelegt haben, während ihr Ferrari-Fahrer blendet und über seine Verhältnisse lebt.

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  5. @ John

    Und aufgrund seiner sparsamen Lebensweise ist der Golf-Fahrer natürlich gerne bereit eine großzügige Stundenvereinbarung zu treffen, oder wie?

    Nix ist daran zu kurz gedacht. Jeder wirtschaftlich denkende Anwalt (also alle) würde den Ferrari nehmen, weil der Streitwert und damit die zu erzielenden RA-Gebühren schlicht höher sind.

    Dante

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  6. Es ist eben die Frage, manche mögen doch lieber einen soliden normalen Mandanten, als einen insolventen Grosskotz.

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  7. Naja, Fakt ist jedenfalls, dass ich immer und überall höre, dass Kanzleien Wirtschaftsunternehmen seien und dementsprechend auch wirtschaftlich arbeiten müssen, was sich wiederum auf die Mandatsannahme auswirkt. Wird von allen (inbesondere den Kollegen) als selbstverständlich hingenommen.

    Wenn Ärzte so etwas machen, werden sie massiv kritisiert.

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  8. So eine muntere Diskussion hatte ich schon lange nicht mehr.

    In der Studie, bzw. dem verlinkten Artikel steht, dass Termine nur nach medizinischen Gesichtspunkten vergeben würden.

    Danach müsste aber erst einmal gefragt werden...

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  9. Das müssen die Ärzte dann mit ihrem Gewissen ausmachen, einen leidenden Menschen abzuweisen um des schnöden Mammons Willen. Einen Unterschied macht es, wenn man bei nicht akuten Patienten die Termine großzügiger vereinbart, obwohl auch das ein Systemfehler ist. Akute Patienten hingegen sollte man auch sofort behandeln.

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  10. Einen akuten Fall wird bestimmt kein Arzt abweisen. Zuerst einfach aus Gewissensgründen, dann - mit sichtbarem Abstand - aus Haftungsgründen.

    Bei Behandlungen, die man aufschieben kann, sieht das anders aus. Die Kosten, die ein Arzt für die Behandlung erhält, sind pro Quartal (glaube ich) gedeckelt. Und die Deckelung ist sehr knapp angesetzt. Wenn der Patient mehr Behandlung braucht, als der angesetzte Betrag hergibt, legt der Arzt drauf.

    Allerdings gilt das nur für Kassenpatienten. Bei privat Versicherten dagegen wird jede Behandlung bezahlt (und dann noch manchmal besser).

    Ohne eine Mindestanzahl an Privatpatienten kann eine Praxis mittelfristig nun einmal nicht überleben. Wirtschaftlich gesehen muß (naja, "müsste") sich ein Arzt fragen lassen, warum er sich die verquaste Politik der GVs überhaupt noch antut, anstatt einfach nur noch Private zu behandeln. So, wie ich die große Mehrzahl an Ärzten einschätze, sind wir da wieder bei den Gewissensgründen angekommen.

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  11. @doppelsfish

    Eben, ein Systemfehler in der Gesundheitspolitik.

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