Mittwoch, September 01, 2010

Ausgerechnet Wullf

macht sich Sorgen um die Demokratie.

Lieber Herr Bundespräsident,

wissen Sie, warum ich der christlich-DEMOKRATISCHEN Union Deutschlands den Rücken gekehrt habe?

Nicht wegen des Versagens in der Großen Koalition (*), oder mangelnden Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten in der Parteibasis (**), sondern auch und gerade wegen des höchst undemokratischen Vorgehens im Zusammenhang mit ihrer Kandidatur.

Da tritt ihr Amtsvorgänger zurück und hinterlässt eine Sedisvakanz, die innerhalb eines Monats zu beheben war. Die Zeit drängte zugegebenermaßen.

Es gibt wilde Kandidatenspekulationen, Namen geistern durch den Blätterwald. Die schwarz-gelbe Koalition verfügte über eine äußerst knappe Mehrheit in der Bundesversammlung.

Schließlich gibt es ein Treffen zwischen Merkel, Westerwelle und Seehofer und ihr Name wird als gemeinsamer Kandidat verkündet.

Haben Sie sich eigentlich einmal Gedanken darüber gemacht, ob diese Art der Kandidatenfindung demokratisch ist? Hätten nicht wenigstens repräsentative Gremien dieser Parteien über den Kandidaten oder die Kandidatin befinden sollen?

Dass ihre Kandidatur später abgenickt wurde von irgendwelchen Parteigremien ist doch nur ein Feigenblatt; welcher Politiker, der noch etwas werden will, wäre seiner Vorsitzenden in die Parade gefahren?

Dass nicht nur ich über dieses Vorgehen verärgert war, haben Sie ja in der Bundesversammlung zu spüren bekommen. Die "eigenen" Leute haben Sie in den 3. Wahlgang geschickt.

Und Sie machen sich Sorgen um die Demokratie?

Wir brauchen viel mehr sog. Seiteneinsteiger wie Herrn Prof. Köhler und weniger Berufspolitiker, die zwar wissen wie man Mehrheiten beschafft, denen aber viel zu oft die Sachkunde fehlt, um die Mehrheiten in brauchbare Ergebnisse umzusetzen.

In der Politik will sich jede Seite am Ende im Ergebnis wiederfinden. In der Gastronomie sähe das so aus:

"Schweinebraten mit Soße", sagt der eine Küchenchef,
"Apfelstrudel mit Schlagsahne" will die andere Seite,
am Ende wird
Schweinebraten mit Schlagsahne serviert!

Mahlzeit

*) Lauschangriff, Pendlerpauschale, Erbschaftssteuerreform, Vorratsdatenspeicherung, ...
**) Ich habe in 11 Jahren als Parteimitglied nur zweimal über Sachanträge abstimmen können, sonst nur über Personalfragen. Ist das Demokratie von unten?



Kommentare:

  1. Seiteneinsteiger wie "Prof. Köhler", der erst seinen IWF-Job - auf den sein Land zwei Jahrzehnte warten musste - hinschmeißt, um Bundespräsident zu werden, was er dann, kaum wiedergewählt, wegen ein bisschen (berechtigter!) öffentlicher Kritik wiederum hinschmeißt?

    "Demokratisch ausgewählt" wie "Prof. Köhler", den Westerwelle und Merkel in einer Nacht-Geheim-Sitzung ausgekungelt hatten?

    Na, Sie sind vielleicht naiv.

    AntwortenLöschen
  2. Vielleicht bin ich naiv, vielleicht auch nicht. Jedenfalls habe ich nichts über das Zustandekommen der Kandidatur Köhlers geschrieben, sondern Herrn Wullfs.

    AntwortenLöschen