Dienstag, Juli 19, 2011

Zwei Seiten einer Medaille

Heute war ich beim Familiengericht. Durch die offene Türe zum Sitzungszimmer höre ich, wie eine Kollegin den Begriff "Stillstand der Rechtspflege" benutzte und wie der Richter erklärte, er könne derzeit nur Eilsachen und Kindschaftssachen bearbeiten. Unterhaltsfälle müssten warten.

Seiner Freude, uns zu sehen, gab er dann auch sogleich Ausdruck. Denn er könne nicht verstehen, wieso Eltern aus gutem Hause mit guter Ausbildung und guter Erziehung gesegnet die Ressourcen einer chronisch überlasteten Justiz in Anspruch nehmen müssen, um die Ausgestaltung der Umgangskontakte miteinander zu vereinbaren.

Genau aus dem Grunde, dass in der Atmossphäre des Gerichts derartige Vereinbarungen leichter fallen, wenn bereits seit Monaten aneinander vorbei geredet und geschrieben wurde, habe ich mir erlaubt zu erwidern.

Denn wo kämen wir hin, wenn die Inanspruchnahme des gesetzlich vorgesehenen Streitschlichters in derartigen Fällen ausschließlich prekären Verhältnissen entstammenden Mitmenschen vorbehalten wäre.

Am Ende wurde dann eben auch ein vernünftiges, ausbaufähiges Ergebnis erzielt.

Kommentare:

  1. Menschlich gesehen hat er schon recht. Eigentlich sollten Eltern es als ein Armutszeugnis ansehen, für eine so (meist auch aus rechtlichen Gesichtspunkten) einfache Frage wie die Verabredung des Umgangs ein Dutzend anderer Personen zu beschäftigen und Geld zu verbrennen, wenn schlimmstenfalls eigentlich ein gemeinsames Gespräch bei einer Familienberatungsstelle oder beim Jugendamt hätte ausreichen können um eine vernünftige Lösung zu finden.

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  2. In diesem Fall wurde wochen- und monatelang versucht, den Gang vor Gericht zu vermeiden.

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