Mittwoch, Mai 02, 2012

Eine wahre Geschichte

Der nachstehende Text wurde von mir im Oktober 1993 verfasst. Lediglich die Zeichensetzung und einige Orthographiefehler habe ich jetzt überarbeitet:



Zum 1.7.1993 bezog R.W.D.,der sich als Peter vorstellte,ein Zimmer in unserer 6-Zimmerwohnung. Aufgrund des hohen Altersunterschiedes zu den übrigen Bewohnern kam zunächst kein großer Kontakt zu Stande. Wir alle waren der Meinung, daß von ihm als Neuzugang der erste Schritt getan werden müsse. Überhaupt brauche man sich um einen 51-jährigen keine Sorgen zu machen. Man begrüßte sich,wenn man sich im Flur oder im Treppenhaus sah - das war es dann auch schon.
Wir "anderen" machten uns zwar Gedanken über seinen Lebenswandel, fragten auch beiläufig wie er seinen Lebensunterhalt bestritt, bekamen allerdings nur vage Antworten. Im Nachhinein ist sein Verhalten verständlich. Alle außer Ihm waren Studenten oder hatten ihr Studium bereits hinter sich,er dagegen verdiente sein Brot mit Gelegenheitsarbeiten.

Anfang Oktober suchte er zaghaften Kontakt,wenn auch nur um eine Weinflasche geöffnet zu kriegen,die er innerhalb einer Stunde leerte(Samstag,2.10.1993). Am Sonntag klopfte er überraschenderweise an F.s Zimmertür und brach kurz nach seinem Eintritt in Tränen aus. F. war zwar unangenehm berührt, hörte Peter jedoch zu, nahm ihn zum Essen mit und erfuhr bei dieser Gelegenheit Folgendes:

Peter hatte in GB eine geschiedene Frau und zwei Kinder und hatte vor seiner Scheidung in recht guten wirtschaftlichen Verhältnissen gelebt. Danach ging es bergab. Schließlich kam er nach München und verrichtete dort Gelegenheitsjobs. Seine wohl einzige soziale Bindung war C.,eine junge Irin. Als diese mit ihm Schluß-machen wollte,drohte ihm erneut eine Welt zusammenzubrechen. Zuerst versuchte er wohl seinen Frust im Alkohol zu ertränken, danach durch harte Arbeit. Denn noch am Samstag wollte er auf eine Stellenanzeige als Reinigungskraft antworten und sagte je mehr Arbeit um so besser,egal um was es sich handelte. Endlich mußte er sich den Druck von der Seele reden. Dies konnte ihm nur vorübergehend helfen und er griff wieder zum Alkohol.
Auch am Dienstag dem 5.10.1993 leerte er um die Mittagszeit eine Flasche Wein.Danach suchte er C. am Arbeitsplatz auf und erstach sie. Peter konnte umgehend festgenommen werden. Zu seinem Motiv schwieg er jedoch bei der Vernehmung.

Am Mittwoch dem 6.10.93 suchte die Kripo unsere Wohnung auf. Zunächst wurde F. befragt,später ich selbst. Keiner von uns hatte vorher die Zeitung gelesen oder Radio gehört. Die Nachricht von Peters Tat traf uns völlig unvorbereitet und schockierte uns. Im Gespräch begann sich Steinchen um Steinchen ein Mosaikbild zu entwickeln und uns war klar, daß es sich um eine Verzweiflungstat und nicht um kaltblütigen Mord handelte. Wir waren uns auch darüber einig, daß Peter Hilfe brauchte und wollten Ihn alsbald im Gefängnis besuchen,da wir annahmen, daß er außer uns in München kaum einen Menschen kannte. Aufgrund der Situation hielten wir Ihn für stark suizidgefährdet. Ein erster Anruf in „Stadelheim“ am Donnerstag verlief negativ; ein Herr D. wäre nicht hier und man verwies an die Polizeihaftanstalt. Ein Anruf dort wurde aus Datenschutzgründen nur unklar beantwortet. Auskunft erteile die Polizei. Auf der Polizei bekamen wir endlich die Auskunft Peter wäre in der Polizeihaftanstalt gewesen, befinde sich aber nun in Stadelheim. Auf einen erneuten Anruf dort,erhielten wir die Auskunft, er wäre erst in der Aufnahme und man vertröstete uns auf Freitag. Freitag gegen 15Uhr riefen wir wiederum in Stadelheim an. Man verband uns von Station zu Station,vertröstete uns schließlich auf Montag.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Peter bereits mit seinem Gürtel am Fensterkreuz erhangt...

Kommentare:

  1. Wenn es jetzt noch mehr als ein Dutzend Orthographiefehler sind, wieviele mögen es dann 1993 gewesen sein ...

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  2. Wenn das Alles ist, was Ihnen zu diesem Text einfällt, sind Sie qualifiziert für eine Großbudenkarriere.

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