Mittwoch, Juli 25, 2012

Reise- recht zynisch

Die Klägerin buchte 2011 eine all-inclusive Reise in einem Hotel der höchsten Landeskategorie in Bulgarien.

Das Hotel war eher eine Jugendherberge, die jugendlichen Gäste konnten sich nicht benehmen. Der Speisesaal war regelmäßig mit Speiseresten und verschütteten Getränken verunreinigt.

Nachdem die Klägerin die örtliche Reiseleitung auf diese unhaltbaren Zustände aufmerksam gemacht und um Abhilfe gebeten hatte, rutschte sie drei Tage später im Speisesaal aus und zog sich eine Verletzung zu, die auch heute noch nicht vollkommen ausgeheit ist.

Das Reiseunternehmen lässt nun über ihre Bevollmächtigten die eingeklagten Ansprüche zurückweisen.

Man weist auf ein gehöriges Maß an Mitverschulden hin, was sich noch im vertretbaren Rahmen hält.

Zynisch wird es aber, wenn vorgetragen wird, die Klägerin hätte den von ihr bereits beanstandeten Bereich eben gar nicht mehr betreten dürfen, (wenn es dort so rutschig und glitschig gewesen sein sollte, wie vorgetragen.)

Liebe Leute, wenn ich all-inclusive buche und bezahle, will ich natürlich auch meine Mahlzeiten in Anspruch nehmen. Ein einzelnes Salatblatt, eine heruntergefallene Nudel mögen ja noch ein schicksalhaftes Risiko darstellen.

Ein aus Sicherheitsgründen nicht zu betretender Speisesaal kommt ja einer vorsätzlichen Leistungsverweigerung gleich.

Zumal die Reiseleitung schon kapituliert hatte, mit den Worten, es macht keinen Spaß, hier zu arbeiten.


Kommentare:

  1. Sehe ich anders. Auch als das Gericht offenbar.

    Man kann einen Raum ja weiterhin betreten, muss aber dort dann eben entsprechend vorsichtiger sein. Ist man es, dann rutscht man sicherlich nicht hin. Will man das nicht, was verständlich ist, dann muss man es eben lassen und gleich weitere Schritte einleiten. Ohne das Essen noch mitzunehmen.

    ´"Landeskategorie" kann noch so hoch sein, es ist und bleibt unzuverlässig. Schon in Frankreich muss man da höllisch aufpassen, selbst 5 Sterne heißen nicht, dass die Decken nicht eklig und die Badewannen heil sind. Wer das völlig vom Radar streicht, insbesondere bei den meisten All-inklusive-Hotels, dem ist nicht zu helfen.

    Und ich bin mir sicher, ganz pragmatisch, was Richter zurecht über solche Personen denken führt dann auch zur ein oder anderen strengen Betrachtung... ;)

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  2. Es ist zwar schon über 10 Jahre her, seit ich zuletzt in einer Jugendherberge war, aber ich hatte dort niemals derartige Zustände wie hier beschrieben erlebt.
    Die Verhältnisse im beschriebenen Fall liegen dementsprechend noch deutlich unter Jugendherbergsniveau.

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