Mittwoch, Januar 11, 2012

Hätte, wäre, wenn und aber ...

Es ist mir in meiner anwaltlichen Praxis noch nicht oft vorgekommen, dass ich mich so hilflos gefühlt habe, wie in dieser kürzlich  stattgefundenen Besprechung.

Ein altes Mütterchen erzählt mir eine wirre, konfuse Geschichte und ich glaube ihr jedes Wort. Soweit ich den Sachverhalt verstanden habe, muss es sich so, oder so ähnlich ereignet haben:

Sie hatte ein Häuschen, das sie gegen ein lebenslanges Wohnrecht für einen Spottpreis verkauft hat.

Das Häuschen ist pfutsch                                             


Der Erwerber zahlt den Kaufpreis nachweislich auf ihr Konto, um wenige Tage danach um einen Kredit in gleicher Höhe bei ihr zu bitten.

Sie hebt das Geld ab und gibts es ihm - man vertraut sich ja.

Da nichts Schriftliches niedergelegt wurde, kann sie nicht einmal beweisen ihm das Geld gegeben zu haben.

 Das Geld ist pfutsch. Den Prozess darum hat sie verloren. (Nicht bei uns)

Nun kommt sie auf Beratungshilfe zu mir, auf dem Beratungshilfeschein steht "wegen Beeinträchtigung des Wohnrechts durch den neuen Eigentümer".

Zur Vorgeschichte sagt sie, er habe sie (wann, wieso, wie ???) zum Amtsgericht geschleppt, wo sie auf ihr Wohnrecht verzichtet habe.

Das Wohnrecht ist auch pfutsch.

Ich habe erstmal darum gebeten, mir die Unterlagen, soweit vorhanden, zur Verfügung zu stellen.

Fest steht für mich, dass da jemand sich das Vertrauen eines arglosen Mitmenschen erschlichen hat, um ihn um Haus und Hof zu bringen. Die Auswahl des Opfers kann nicht zufällig gewesen sein, da die Schwächen meiner Mandantin gezielt ausgenutzt wurden.

Und wie geht es weiter? Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand? Nein. Selbst wenn ich meiner Mandantin glaube und davon überzeugt bin, dass es so viel Niedertracht und Gemeinheit in dieser Welt gibt, beweisen kann ich gar nichts, da der Gegner es glänzend verstanden hat, seine Verpflichtungen nachvollziebar und belegbar zu erfüllen, ihr aber auf seinen treudoofen Dackelblick hin, alles wieder aus der Tasche zu ziehen ohne Spuren zu hinterlassen.

Hätte die Mandantin etwas mehr Grips, wäre das nicht passiert und wenn sie rechtzeitig einen fachlichen Rat eingeholt hätte, hätte die Katastrophe vermieden werden können. Aber sie hat es nicht.

1 Kommentar:

  1. Traurig aber wahr.Das ist mittlerweile ein richtiger Geschäftszweig.Man schleicht sich als ASB/DAK usw.-"Mitarbeiterin", Pflegedienst oder Fußpflege etc. an, zaubert den schmierigen bedürftigen Lebensgefährten aus dem Hut und schon fließen die Privatdarlehen und zur Abwehr von Rückzahlungsansprüchen gibt es ja die Zeugin. Beurkundungspflichtige Geschäfte sind dann für Fortgeschrittene.

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