Freitag, Februar 15, 2008

Danke, setzen, abgelehnt

Die Vorsitzende der Baden-Württembergischen SPD und Integrationsbeauftragte ihrer Partei, Ute Vogt, schlägt nun vor, statt der traditionellen Sprachen wie Englisch oder Französisch auch Türkisch als 2. Fremdsprache im Schulunterricht einzuführen.

Die türkische Wirtschaft verzeichnet Zuwächse, die Türkei wird in absehbarer Zeit ein noch wichtigerer Handelspartner sein, da können auch deutsche Schüler von Türkisch-Kenntnissen profitieren.

Abgesehen davon, dass man von Kenntnissen jedweder Art profitieren kann, dass die Türkei tatsächlich ein wichtiger Handelspartner ist und bleiben wird, und abgesehen davon, dass ich die Mehrzahl der Türken hier in Deutschland und in der Türkei als sympathische und unglaublich gastfreundliche Zeitgenossen ansehe, halte ich den Vorschlag für verfehlt.

Wenn eine Sprache als Schlüsselqualifikation zum Unterrichtsfach wird, dann muss das Erlernen dieser Sprache über eine potentielle Möglichkeit einen greifbaren Nutzen bringen.

Englisch und Französisch sind in der Tat traditionelle Unterrichtsfächer. Mit dem Beherrschen dieser Sprachen war und ist es seit dem 19. Jahrhundert möglich sich mit etwa 80 Prozent der weltweiten Gesprächspartner zu verständigen, weil auch Chinesen, Inder und Lateinamerikaner überwiegend eine dieser beiden Sprachen beherrschen.

Die Tatsache, dass in vielen Urlaubsländern von den Menschen, die mit deutschen Touristen Kontakt haben, ein beachtlicher Teil auch mehr oder weniger gut Deutsch sprechen kann, beruht auf der Geschäftstüchtigkeit dieser Leute.

Aber liebe Frau Vogt,

in welchen klassischen Auswanderungsländern, die von Deutschen als neue Heimat bevorzugt werden, wird Deutsch als 2. Fremdsprache angeboten, um den ausländischen Neubürgern ( den deutschen Auswanderern) die Integration zu erleichtern ?

In vielen Ländern gibt es eine bunte Gesellschaft, in der niemand schief angesehen wird, wenn die heimatlichen Traditionen gepflegt werden. Doch in fast allen Gaststaaten der Welt wird es als selbstverständlich angesehen, dass die Gäste die Sprache ihrer Gastgeber erlernen und sich an die Regeln im Gastland halten.

Die meisten Gastländer sind auch nicht von oben nach unten bis in das kleinste Detail durchbürokratisiert, der Staat stellt ein Minimum an Daseinsvorsorgeeinrichtungen zur Verfügung, der Rest basiert auf privatem Engagement und Eigeninitiative.

Vor dem Hintergrund, dass die Türkei zwar mit über 72 Millionen Einwohnern zu den absolut größten Ländern gehört, aber Türkisch nur von 1/92 = 1,1 % der Weltbevölkerung verstanden wird, halte ich den Vorschlag für wenig durchdacht.

Kommentare:

  1. Die zweite Fremdsprache ist ja eh wählbar, insofern würde sie nur neben anderen Sprachen zur Wahl stehen. Wenn ich bedenke, was ich von meinem Lateinunterricht behalten habe wäre eine andere Sprache im nachhinein vielleicht tatsächlich interessanter gewesen. Ich denke die Kurse wären nicht leicht auszurichten, da sich viele türkischstämmige Schüler die realtiv einfach zu erreichende gute Note nicht entgehen lassen würden. Da hätte man dann ein ziemliches Gefälle in den Kursen.

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  2. Da hielte ich es auch für sinnvoller neben Englisch und Französisch andere vielgesprochene Sprachen wie Spanisch, oder vielleicht Chinesisch zu unterrichten. Türkisch spricht global gesehen einfach niemand, auch wenn es hier eine starke Minderheit gibt.

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  3. Englisch und Französisch? Sie haben Spanisch unterschlagen. Ohne Frage eine Weltsprache, sehr schön im Klang und relativ leicht zu erlernen. In Guatemala zum Beispiel. Hab' ich so gemacht, kann ich nur empfehlen. Schule hin oder her.

    Also wirklich.

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