Dienstag, August 31, 2010

Irren ist menschlich, so soll es auch bleiben dürfen

Im Urlaub hatte ich reichlich Zeit mir so über das moderne Menschenbild Gedanken zu machen.

Wir haben alle auf dieser Erde die gleiche Wertigkeit; ob arm, ob reich, ob klug oder debil, ob hübsch oder unansehnlich, ob dick oder dünn, ob nett oder dreist.

Das gilt für das Verhältnis des Staates zu seinen Untertanen (Bürgern) und ergibt sich aus dem Grundgesetz, der Menschenrechtscharta usw.

Als Reflex hieraus darf der Staat nicht dulden, dass die einen die anderen verletzen, töten, rassistisch behandeln oder diskriminieren.

Der Staat kann jedoch nicht erwarten, dass wir einander alle gleich wertschätzen. Im zwischenmenschlichem Bereich kommt es auch auf die persönliche Chemie an, auf Mentalitätsübereinstimmungen, auf sich ergänzende Stärken und Schwächen. Kurz, warum wir die einen mögen und die anderen nicht, kann vielerlei Ursachen haben.

Mit den einen kommt man prima zurecht, anderen bringt man vom ersten Augenblick an Resentiments entgegen, ohne dass man sich dessen überhaupt bewußt wird. Das mag man Vorurteil, Instinkt oder "Menscheln" nennen; egal, auch das gehört zum Menschsein dazu.

Nun will uns die Politik dazu zwingen, dieses Menschsein abzulegen. Wir sollen dazu gezwungen werden einander gleich lieb zu haben.

Um die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, sollen anonyme Bewerbungen vorgenommen werden, weil ein Sören oder Karl anders behandelt wird als ein Achmed, Yun-Li oder eine Nofretete. Auch sollen grünhaarige Menschen von vorneherein bessere Chancen haben als Glatzköpfe, Schwarzhaarige oder Karrierte.

Gut, dann treffen wir doch mal eine Auswahl aus einem Stapel anonymisierter Bewerbungen. Soll das Einstellungsgespräch nun durch eine Trennwand mit Stimmenverfremder geführt werden?

Ich finde, der Vorschlag ist nicht zu Ende gedacht. Jeder ist jederzeit ständigen Wechselwirkungen mit seinen Mitmenschen ausgesetzt. Ob die Politik das nun gut findet oder doof. Damit muss jedes Individuum für sich klar kommen. Den klassischen Siegertypen wird es immer geben, genauso wie den ewigen Verlierer.

Zum Menschsein gehört auch das fehlbar sein; im Privatleben, im Sport oder im Beruf.

Da helfen keine Paragraphen.

Kommentare:

  1. Es soll doch nur verhindert werden, dass die Bewerber bereits auf der "ersten Stufe" wegen eines dieser Merkmale rausfliegen.
    In der zweiten Runde sollen doch diese Daten wieder offengelegt werden.

    Allerdings ist auch wahr, dass man Toleranz nicht erzwingen kann. Bestraft werden durch dass AGG doch überwiegend die "dummen" Diskriminierer, die sich haben erwischen lassen.

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  2. Ich habe die Idee der anonymen Bewerbungen so verstanden, dass nur die Bewerbungsmappe anonymisiert ist. Das Bewerbungsgespräch bleibt dagegen so wie bisher. Und dann (erst) wirkt der Nasenfaktor.
    Der Personalchef, der das "Menscheln" bereits anhand der Bewerbungsmappe macht, ohne persönlichen Kontakt gehabt zu haben, hat wohl den falschen Job.

    Aber solange den deutschen Arbeitgebern Kriterien wie Alter, Herkunft, Wohnviertel oder Familienstand wichtiger sind als berufliche Fähigkeiten, wird das wohl nix mit den anonymen Bewerbungen.

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