Montag, November 09, 2015

Automobile Fehlkonstruktion

Dieser Vorgänger unserer Familienkiste wurde 2013 durch einen Opel Combo abgelöst. Und - leider- hat auch da der Konstrukteur keinen besonders hellen Moment erwischt. Der Combo steht nun seit 2 Wochen in der Werkstatt, wo nach einem Wildschaden die Stoßstange ausgetauscht werden musste. Dass die aus optischen Gründen lackiert werden muss, obwohl das in meinen Augen schon völliger Quatsch ist, nun ja.
Aber liebe Opelaner und FIATelisti *), dass in diese Stoßstange die Lichter eingeschweißt werden, das kann ich überhaupt nicht mehr verstehen. Denn auch Glühlampen haben keine unbeschränkte Lebensdauer. Sollte im Dunkeln mal ein Licht oder gar beide ausfallen, bedeutet euer genialer Einfall doch nur, dass man ohne Abschleppdienst nicht mehr weiter kommt, denn ein Austausch der Birne kann nur in der Werkstatt erfolgen.
Unser Combo kommt nun nicht vom Fleck, weil offenbar beim Austausch der Stoßstange der linke Nebelscheinwerfer beschädigt wurde und die Werkstatt nun seit 10 Tagen auf dieses Ersatzteil wartet.

*) Der Opel Combo basiert im Wesentlichen auf dem FIAT Doblo

Freitag, Oktober 23, 2015

Start in den Morgen endet an Tragpfeiler im Parkhaus

Für alle, die juristische Inhalte vermissen:
Die Bauvorschriften für Parkhäuser erscheinen mir reformbedürftig.
Für alle anderen folgt hier eine heitere Geschichte zum Ausklang der Arbeitswoche:

Es war Freitag, kurz vor 9:00 Uhr, als der erfahrene Scheidungsanwalt Phileas McMunz sich zu einem weiteren anstrengenden Bürotag aufmachte.  Die Kinder waren angezogen, gefrühstückt und zur Schule gegangen, den Morgenkaffee und die Lektüre der webnews hatte er bereits hinter sich. Alles war für einen ereignisreichen Arbeitstag vorbereitet.

Im Parkhaus fand Phileas seinen Lieblingsparkplatz mit der No. 1 noch frei. Also steuerte er geschickt seinen Wagen in die enge Lücke zwischen der Außenwand des Parkgeschosses zur rechten und einem Tragpfeiler auf der linken Seite. 

Doch etwas an diesem Morgen war anders, zunächst beschlich ihn nur ein Gefühl, doch diese Vorahnung sollte sich rasch bewahrheiten.

Auf Stellplatz 2 stand nämlich bereits der DeLorian des Juweliers Doc McBee, der sonst einen anderen Sektor der Garage nutze.

McMunz wuchtete seinen athletischen Körper aus seinem Fahrzeug und entnahm noch wichtige Unterlagen, die er von zu Hause mitgenommen hatte. Da begriff er - er war gefangen. Der Weg aus der Parklücke war versperrt.

Vor und rechts neben ihm eine Wand. Links stand der Juwelier und dazwischen der Tragpfeiler, der den Durchgang so verengte, dass sich McMunz mit seiner über Jahre gepflegten Figur nicht zwischen seinem Wagen und der Säule hindurchquetschen konnte.

Er überlegte nicht lange und tat das Einzige, das ihn aus dieser wahrhaft verfahrenen Situation retten konnte. Er bestieg seinen City-Flitzer, legte den Rückwärtsgang ein und manövrierte meisterhaft zum Stellplatz 12 von wo aus er ungehindert seinen Weg zum Schreibtisch antreten konnte.

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Anmerkungen des Verfassers:
1. Die Geschichte hat sich so ähnlich tatsächlich ereignet.
2. Mehr von Phileas McMunz ist hier zu finden


Donnerstag, August 06, 2015

Kurzbegriff für Herzinfarkt eines Anwalts? Advocard!

Der Begriff "advocard" setzt sich zusammen aus "Advokat", einem veralteten Begriff für "Rechtsanwalt" und "myocard", medizinisch für "Herzmuskel". Andere Deutungsversuche müssen in den Bereich der Fabel verwiesen werden, einem Lieblingsgebiet der Werbebranche.

Warum eine Rechtschutzversicherung, die doch eigentlich die Zufriedenheit ihrer Kunden als oberstes Ziel ansehen sollte, sich einen derart negativ besetzten Namen zulegt, muss im ersten Schritt mit Verwunderung zur Kenntnis genommen werden.

Dass aber diese Versicherung aus ihrem unglücklich gewählten Namen auch noch ein Programm macht und zielsicher bei den anwaltlichen Leistungserbringern ihrer Kunden für permanenten Bluthochdruck sorgt, das muss mit ungläubiger Verachtung und allseitiger Warnung, mit diesem Unternehmen in geschäftlichen Kontakt zu treten, bedacht werden.

Der Verfasser hat vor Jahren schon seinen Unmut über die Geschäftspraktiken der Rechtschutzversicherer veröffentlicht.

Stein des Anstoßes für diesen Beitrag ist allerdings ein Schreiben der Versicherung, deren Name besser nicht genannt werden sollte:

Darin heißt es wortwörtlich:

"Der Vergleich wurde zur Abgeltung aller Ansprüche geschlossen. Wir bitten daher noch um Erstattung der anteiligen, in den € 2.700,- enthaltenen Geschäftsgebühr."

Vorausgegangen war ein Wald-und Wiesen-Fall. A macht gegen B eine Summe X geltend. B lehnt ab. A klagt gegen B. Als nebenforderung macht A gegen B auch die vorgerichtlichen Anwaltskosten aus dem Streitwert X geltend (Geschäftsgebühr). Im Termin vergleichen sich A und B über die Summe Y. Im Vergleich heißt es "zur Abgeltung aller streitgegenständlicher Forderungen".

Ich selbst bin nun seit mehr als 15 Jahren anwaltlich tätig. Mein älterer Kollege hat schon mehr als 40 Jahre lang als unabhängiges Organ der Rechtspflege fungiert, also nicht als Staatsanwalt, gleich welchen Ranges.(!)

Weder ihm noch mir ist jemals nach einem deratigem (und durchaus üblich formulierten) Vergleich eine ähnliche Reaktion einer Rechtschutzversicherung vorgekommen. Der Kollege schlägt vor, ich solle die A...card anschreiben und darauf verweisen, sie möge sich mit ihren Ansprüchen an ihren Versicherungsnehmer wenden, da zwischen unserer Kanzlei und der Versicherung schließlich keinerlei vertragliche Beziehungen bestünden. Natürlich müsste man dem Mandanten in einem Begleitschreiben erläutern, was man von dem Ansinnen der Versicherung hält. Man könnte auch dezent darauf hinweisen, dass auch andere Versicherungen hübsche Schadenssachbearbeiter und Schadinnensachbearbeiterinnen hätten. Das ist ein Vorschlag eines Praktikers mit jahrzehntelanger Erfahrung.

Weil das Wetter so schön ist und ich mir draußen keinen Sonnenbrand holen wollte, habe ich mir die Mühe gemacht mit dem bekannten Rechtsexperten Prozessor G. Oogle zu chatten.

Soweit ersichtlich ist auch G. Oogle  ein ähnlicher Fall seitens einer Rechtschutzversicherung noch nicht untergekommen, zumindest nicht auf den vorderen Plätzen.

Aber in der Rechtsprechung findet sich eine Entscheidung des OLG Koblenz vom 18. 11.2013, der die Abgeltung der außergerichtlichen Geschäftsgebühr im Rahmen des Kostenfestsetzungsverfahrens betrifft. Diese Entscheidung hat Herr Kollege Norbert Schneider hier vorgestellt:

"Der Einwand des Beklagten, die Vergleichsformulierung "zur Abgeltung aller streitgegenständlichen Forderungen" belege die Einbeziehung, greift deshalb zu kurz, weil die Anwaltskosten als bloße Nebenforderung geltend gemacht wurden. Auch aus dem Gebrauch des Plurals (Forderungen) lässt sich im vorliegenden Fall nichts Entscheidendes herleiten, weil in der Hauptsache über mehrere Forderungen gestritten wurde. Nach dem Wortverständnis des Beklagten hätte die Formulierung näher gelegen, dass der Vergleichsbetrag "zur Abgeltung aller Forderungen" gezahlt werde. Allerdings wäre auch dann der Anrechnungsumfang offen geblieben."

Kurz und gut. Auch rechtlich ist die Forderung mehr als fraglich. Und mein Blutdruck ist auch wieder im Normbereich.

Freitag, Juli 31, 2015

Zum Haare raufen - Teil 2:


Ich vertrete einen Unfallbeteiligten. Der Unfall wurde von der Polizei aufgenommen. Als zuständiger Versicherer des gegnerischen Fahrzeuges wurde die R+V Versicherung angegeben. Ich frage beim Zentralruf der Autoversicherer nach und erhalte dort die Auskunft, R+V stimmt und die Versicherungsnummer. Prima!
Auf mein Schreiben an die R+V meldet sich jemand, teilt mit, die R+V sei nicht zuständig. Doof!
Ich schreibe an die R+V, verweise auf den Zentralruf. Es meldet sich jemand von der Kravag (einem Tochterunternehmen der R+V). Er habe den Vorgang geprüft, die Kravag sei zuständig. Ich möge ihm den Schriftverkehr übermitteln. Prima!
Heute geht ein Fax der Kravag ein. Die Kravag sei doch nicht zuständig. Ein aktueller Vertrag für das Unfalldatum sei dort nicht bekannt. Man habe die Zulassungsstelle angeschrieben. Doof!
Ich greife zum Telefon, rufe die Kravag an. Der Vorgang wird mir bestätigt. Die Daten beim Zentralruf der Autoversicherer seien nicht immer aktuell. Die Zulassungsstellen hätten aber tagesgenaue Daten.
Soll ich jetzt bei jedem Unfallmandat die Zulassungsstelle des Unfallgegners anschreiben???

Zum Haare raufen - Teil 1

Ich habe im März 2015 eine Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe beim Landgericht Wiesbaden gestellt.
Die zuständige Einzelrichterin hat bislang noch nicht darüber entschieden. Dafür korrespondieren seither 2 Anwälte umfangreich über immer neue Tatsachen.
Um die Sache abzukürzen habe ich dem letzten Schriftsatz zu Az: xy 08/15-PKH ein unterschriebenes Schriftsatzdoppel meiner Klage vom xx. März 2015 beigefügt, verbunden mit der Bitte, diese nach erfolgter PKH-Bewilligung an den Beklagten zuzustellen.
Heute kommt die Gerichtskostenrechnung über 666,- €

Über den PKH-Antrag wurde nicht entschieden!

(bei bewilligter Prozesskostenhilfe - früher Armenrecht genannt- sind keine Gerichtskosten einzuzahlen!)

Dienstag, Juni 30, 2015

Warum wir den Euro erhalten müssen?

Ich war 2001 bei Einführung der Euronoten skeptisch. Wie soll eine Währungsunion ohne politische Union gut gehen?, fragte ich damals.

2014 bin ich zu der Einsicht gekommen, die Abschaffung des Euro wird teuer.

2015 frage ich mich, was wird teurer, den Euro zu behalten oder ihn abzuschaffen.

Ich sehe keine Vorteile. Internationaler Handel hat stets einen Weg gefunden, sich gegen Währungsrisiken und Kursschwankungen abzusichern.

Touristen haben auch stets andere Länder bereist.

Europa kann nicht mit der Brechstange vereinigt werden.

Wenn der Euro eine so vorteilhafte Errungenschaft wäre, warum finden dann seit mehr als 5 Jahren ständig Krisengipfel statt, um seine Unzulänglichkeiten zu beseitigen?

Kommentare ausdrücklich erwünscht.

Mittwoch, Juni 24, 2015

Die Folgen einer guten Tat


Am 17.6.2015 hatte ich für den Mannheimer Anwaltsverein kostenlose Rechtsberatung für Menschen mit geringem Einkommen geleistet.

Heute rief mich einer dieser Rechtssuchenden an, dem ich empfohlen hatte, einen Beratungshilfeschein zu beantragen und damit und seinem Problem zu einem Anwalt seiner Wahl zu gehen.

"Ob ich nicht einen Zweizeiler für ihn fertigen könne?", fragte er, worauf ich ihm erwiderte "Grundsätzlich ja, aber nur gegen Vorlage eines BRH-Scheines und ordnungsgemäßer Beauftragung".

Er fragte weiter, was ihn das koste und ich sagte ihm, eine Kostenbeteiligung von 15,- EUR.

"Guter Mann, 15 EUR für einen kurzen und einfachen Brief?"
"Ja" meinte ich, "wenn ihm das zu viel sei, dann solle er ihn eben selber schreiben". Darauf wünschte ich ihm noch einen guten Tag und legte auf.

Hintergrund:

Auch ein kleiner, kurzer einfacher Brief verursacht administrativen Aufwand, eine Akte muss angelegt, 5 Jahre lang aufbewahrt und danach fachgerecht entsorgt werden. Es entstehen Personal- und Portokosten. Und ob es bei einem kleinen kurzen Brief mit einfachstem rechtlichen Inhalt bleibt? Wer weiß das schon?
Oder soll ich den Schlusssatz aufnehmen:

"Bitte antworten Sie nicht mir, sondern meinem Auftraggeber, da ich nur und ausschließlich mit der Abfassung eines einzigen kleinen, kurzen Briefes einfachster Art mandatiert wurde"

Und auf die Anrede "Guter Mann" kann ich auch gut und gerne verzichten.

Freitag, Mai 29, 2015

Monster unter dem Küchentisch

Bei der Zubereitung des Abendessens fiel mein Blick unter den Küchentisch und ich erstarrte beinahe zur Salzsäule: So etwas Schreckliches hätte ich in unseren Breitengraden nicht vermutet.




Ein dunkler,fleischiger Körper und dicke kräftige Beine. War es ein Käfer oder eine entlaufene, exotische Spinne?

Ich musste der Sache auf den Grund gehen, um meine Familie vor einer Katastrophe zu bewahren.
Nicht auszudenken, die Göttergattin würde des Monsters ansichtig. Der Feierabend wäre unrettbar verdorben gewesen.

Langsam pirschte ich mich an meine Fotobeute heran. Eine unbedachte Bewegung -
.
.
.
.

- den weiteren Verlauf wollte ich mir gar nicht ausmalen. Wie schnell hätte dieses Urviech in einer Spalte verschwinden können, aus der es mich mit seinen kalten,mordlüsternen Augen anstarren würde.

Ich legte mich also behutsam auf den Boden, schob mich Zentimeter um Zentimeter voran, Bis ich die richtige Distanz erreicht hatte, um mir Klarheit über die Spezies meines Gegenüber zu schaffen.

Dank meiner profunden Kenntnisse aus dem Biologie-Grundkurs und des mir in den Jahren selbst angefressenen Wissens war die Identifizierung eindeutig



uva obscura culinaria

oder die rote, kernlose Weintraube.




Mit dieser spannenden Reportage aus den häuslichen Gefilden möchte ich mich von jurablogs.com verabschieden.











Donnerstag, April 30, 2015

FAST hätten mir die Worte gefehlt

Ich habe ja schon viel erlebt, aber solche Dreckspatzigkeit von einer Versicherung war mir neu:
Am 9. März 2015 wende ich mich per e-mail an die HELVETIA Haftpflichtversicherung: -keine Antwort
Am 17. April frage ich per e-mail nach, ob ich zu der Schadensmeldung vom 9. März auch eine Antwort bekomme.
Am 29. April geht dieses Fax bei uns ein:

Geht's eigentlich noch?
Geantwortet habe ich übrigens auch...


Donnerstag, April 09, 2015

Frage und Diskussion - § 20 JVEG vs Mindestlohn

Seit dem 1.1.2015 gilt in Deutschland der Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde brutto.

Nach § 20 JVEG erhält ein Zeuge vor Gericht eine Aufwandsentschädigung von 3,50 € pro Stunde, wenn er weder eine berufstypische Leistung erbringt noch einen Verdienstausfall erleidet.

Diesen Stundensatz hat der BGH in seinem Beschluss vom 11.03.2015 zugrunde gelegt, um die Beschwer eine zur Auskunft über seine Einkünfte verpflichteten Unterhaltsschuldners zu beziffern.

Der BGH hat es abgelehnt die während der Erstellung der Auskunft erzielbare Arbeitsvergütung als Maßstab anzunehmen, sondern er stellt darauf ab, dass die höchstpersönliche Auskunftserteilung in der Freizeit zu erstellen sei und daher die Sätze der Aufwandsentschädigung heranzuziehen seien.

Nun mal eine ketzerische Frage.

Darf dem Staat die der Erholung dienende Freizeit seiner Bürger denn wirklich weniger wert sein, als die Arbeitszeit seiner Bürger deren Arbeitgebern wert zu sein hat?

Ich meine eigentlich, NEIN. Wenigstens der aus 8,50 € resultierende Nettobetrag sollte es schon sein.

Donnerstag, März 19, 2015

Diese Heuchler in Brüssel!

Erst wird mit viel tamtam die Health Claims Verordnung erlassen und nun suggeriert man, es gäbe eine "gesunde Ernährung"





Art 10, II: Gesundheitsbezogene Angaben dürfen nur gemacht werden, wenn die Kennzeichnung oder, falls diese Kennzeichnung fehlt, die Aufmachung der Lebensmittel und die Lebensmittelwerbung folgende Informationen tragen:

 a) einen Hinweis auf die Bedeutung einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise, 
b) Informationen zur Menge des Lebensmittels und zum Verzehrmuster, die erforderlich sind, um die behauptete positive Wirkung zu erzielen, 
c) gegebenenfalls einen Hinweis an Personen, die es vermeiden sollten, dieses Lebensmittel zu verzehren, und 
d) einen geeigneten Warnhinweis bei Produkten, die bei übermäßigem Verzehr eine Gesundheitsgefahr darstellen könnten.

Die EU muss sich mal an die eigene Nase fassen. Wenn "Wein nicht mehr als "bekömmlich" bezeichnet werden darf (ich sage weiterhin "Prost-es bekomme") dann verbitte ich mir die pauschale Aussage, dass Obst und Gemüse ein gesundes Essen darstellten!

Montag, März 02, 2015

Dank an meine Leserschaft

mein Blog-Counter zeigte heute 200.116 Aufrufe an.

Ich möchte dieses Ereignis nutzen, mich bei meinen Leserinnen und Lesern zu bedanken. Leider habe ich nicht mehr die Zeit, um mehr als 2-3 Beiträge pro Monat zu verfassen.

Vielleicht ist ja auch das Archiv für Einige interessant, denn immerhin veröffentliche ich hier schon seit über 8 Jahren.

Bei 250.000 + melde ich mich dann wieder.


Philipp C. Munzinger
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Familienrecht

Carl-Theodor-Str. 7
68723 Schwetzingen

Tel.: 06202-760 44 0
Fax. 06202-760 44 99

E-Mail: RAMunzinger(at)gmx.de





Liebes Handelsblatt, selten habe ich einen so schlecht recherchierten Artikel gelesen

und der (link) stand auch noch unter "Redaktionsempfehlungen".

1. Bei der Trennung von zwei Ehepartnern/ eingetragenen Lebenspartnern ist die Scheidung selbst das geringste Problem. Seit der Eherechtsreform von 1977 gilt nämlich das Zerrüttungsprinzip, welches das "Schuldprinzip" angelöst hat.
Scheidungsvoraussetzung ist (neben einer wirksam geschlossenen Ehe) nämlich nur noch das Scheitern der Ehe, welches bei einer Trennungszeit von einem Jahr vermutet wird.

Rechtfertigungen, wer wieso weshalb die Ehescheidung beantragt, sind im Verfahren völlig unnötig.

2. Die Dauer des Verfahrens richtet sich danach, welche Streitfragen zu klären sind. 
Bei einer Ehezeit über 3 Jahren ist regelmäßig der Versorgungsausgleich durchzuführen, also die Aufteilung der während der Ehe erworbenen Altersanwartschaften.
Das Ermitteln dieser Anwartschaften und die einzuholenden Auskünfte sind in der Regel der Grund für ein länger andauerndes Verfahren.

Ohne den Versorgungsausgleich ist jeder Anwalt (online oder offline) dazu in der Lage ein kurzes Verfahren zu ermöglichen (wenn auch das Familiengericht mitspielt).

3. Anonymität darf in einer Anwaltskanzlei eigentlich gar nicht vorkommen. Schließlich ist jeder Anwalt gesetzlich gehindert widerstreitende Interessen zu vertreten.
Wenn also sowohl Herr A als auch Frau A in derselben Kanzlei eine Beratung wünschen, dann muss eine(r) von beiden weggeschickt werden. Außerdem muss die Identität der Mandanten geklärt sein, um die Honoraransprüche durchsetzen zu können und um zu verhindern, dass eine unzulässige Stellvertreterscheidung betrieben wird. Was wäre, wenn Frau A ihren Lover Herrn B dazu anstiftet, für Herrn A das Scheidungsverfahren zu betreiben?

4. Die Kosten des Scheidungsverfahrens sind gesetzlich geregelt. Ein gerichtliches Verfahren ist zwingend durchzuführen und vor Gericht darf kein Anwalt zu geringeren Sätzen arbeiten als nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz vorgesehen sind.

5. Spätestens seit der seit dem 21.06.2012 gültigen EU-Eheverordnung Nr. 1259/2010 (Rom III-Verordnung) ist es auch kein Hexenwerk mehr, internationale Ehen zu scheiden.

6. Rosenkriege lassen sich nicht vermeiden. Wenn Unterhalt, Zugewinn, Gesamtschuldnerausgleich, oder das Sorgerecht für gemeinsame Kinder zu regeln sind, ist das zeitaufwändig und kostenintensiv.

Kurz, liebes handelsblatt, in meinen Augen seid ihr einem Angeber auf den Leim gegangen, der mit Selbstverständlichkeiten für seine Geschäftsidee wirbt. Ein Mehrwert für den rechtsuchenden Kunden ist aus Sicht eines offline arbeitenden Fachanwalts nicht erkennbar. Denn der nötige Informationsaustausch kann in jeder modern eingerichteten Kanzlei, wo nicht jeder Schriftsatz in Steintafeln gemeißelt oder mit der Schreibmaschine getippt wird, ebenfalls via e-mail erfolgen.

Mittwoch, Februar 11, 2015

Ein Beschluss, der als Werbung für unabhängige juristische Beratung verstanden werden kann

Das OLG Karlsruhe hat mit Beschluss vom 31.10.2014, 20 UF 7/14 in einem noch nicht rechtskräftig abgeschlossenem Verfahren deutliche Worte gefunden, die die beratend tätige Anwaltschaft gerne hören und zur Eigenwerbung nutzen wird.

In der Sache hatte eine ehevertraglich zu kurz gekommene Ehefrau die Sittenwidrigkeit des von ihr abgeschlossenen, notariell beurkundeten Ehevertrages eingewandt.

Folgende Passagen sind im oben genannten Sinne über den entschiedenen Einzelfall hinaus gut formulierte Werbeaussagen:

RN55 
Dies konnte die Ehefrau erkennen, und sie war nicht gehindert, sich durch Beratung über die Vor- und Nachteile des vorgesehenen Vertrages zu vergewissern.


RN56 
Sie hatte also Kenntnis davon, dass im Verhältnis der Ehegatten vermögensrechtliche Regelungen getroffen werden sollen, und sich insoweit mit ihrem Vater besprochen. Selbst wenn - was streitig ist - der Ehefrau der konkrete vorgesehene Vertragsinhalt erstmals beim Beurkundungstermin bekannt gegeben wurde, stand es ihr frei, den Vertragsschluss aufzuschieben und zunächst Beratung einzuholen....Ob, in welchem Umfang und bei welchen Personen - mit oder ohne juristische Qualifikation - die Ehefrau Beratung einholen wollte, unterlag ihrer Entscheidung und fällt in ihren Risikobereich.


RN 57 
Wer bewusst „blind“ vertraut und sich auf diese Weise bewusst in die Hände des gegenüberstehenden Verhandlungs- und Vertragspartners begibt, ist nicht Opfer eines Ungleichgewichts an Erfahrung und Intellekt, sondern enttäuschten Vertrauens. Enttäuschtes Vertrauen genügt indessen nach Überzeugung des Senats nicht als subjektives Element im Rahmen des § 138 Abs. 1 BGB. Wer bewusst darauf verzichtet, im Rahmen der Vertragsverhandlungen selbst oder durch eigene Berater seine Interessen zu wahren, kann nicht erwarten, dass dieses Versäumnis später durch das Verdikt des § 138 Abs. 1 BGB behoben wird.

oder um es mit meinen Worten zu sagen:

man darf keine Ahnung von etwas haben, aber wer zu der Einsicht kommt, eine Sache nicht zu verstehen, darf hinterher nicht beklagen, eine Dummheit begangen zu haben, vor der jemand mit Ahnung rechtzeitig hätte warnen können.