Freitag, Juli 03, 2009

Mir ist der Appetit vergangen

Nach dem Analogkäse (Anna log, Käse ; anal o.G. Käse ohne Geruch) kommt nun das Schinkenimitat.

Es kann und durfte sich zwar noch nie ein Restaurant-Besucher sicher sein, dass anstatt Hackbratens nicht des Nachbars Katze als "Falscher Hase" auf der Speisekarte stand, aber irgendwie ist mir nun die Lust auf Speisen vergangen, deren Zutaten ich nicht kenne.

Was will die Staatsanwaltschaft eigentlich?

Nun erhalte ich zum wiederholten Male innerhalb weniger Wochen ein Schreiben der Vollstreckungsabteilung einer Staatsanwaltschaft mit dem vielsagenden Text:

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

anliegendes Schriftstück wird Ihnen zur Kenntnisnahme übersandt.

Mit freundlichen Grüßen

Auf Anordnung


Die Anlage besteht aus einer rechtskräftigen Entscheidung, durch die die Mandantschaft zur Zahlung eines Geldbetrages verdonnert wird.

Ich nehme das ja gerne zur Kenntnis. Könnte man die Botschaft nicht langsam im Klartext niederschreiben, dass ich sie auch verstehe.

Die Entscheidung ist rechtskräftig; die Staatsanwaltschaft ist also ebenfalls einverstanden; dann schreibt das doch bitte.

Der Mandant wurde zu einer Zahlung verdonnert, die Vollstreckungsabteilung erwartet demnächst einen Zahlungseingang. Ist es denn unzumutbar zu schreiben:

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

anliegendem Schriftstück können Sie entnehmen, dass auch die Staatsanwaltschaft kein Rechtsmittel eingelegt hat. Ihr Mandant wird gebeten, den festgesetzten Betrag in Höhe xx,yy € bis zum tt.mm.jjjj unter dem Kassenzeichen ahsdgkjhefdgreuihj/00 bis zum tt.mm.jjjj auf das Konto 3216800 der LOK bei Bad Bank BLZ 000 000 00 zu überweisen oder einen Ratenzahlungsantrag zu stellen.

?????

Donnerstag, Juli 02, 2009

Ein schöner Geschäftsvorschlag, Mr. Martin Lukas

Schöne Grüße,

ich bitte Sie um Nachsicht für ein dringendes Geschäft. Ich bin mir sicher das
diese Geschäft eine enorme Interesse für Sie ist und auch zu unsere Beiden
Vorteil ist. Ich bin im Besitz einer privilegen Information über eine riesige Summe
von $12.5 millionen, die von unserem verstorbenen Kunden Herrn Dr. Peter
Hanson, in unsere Bank Filiale hinterlegt wurde. Wir würden Sie gerne alseinen Erben einsetzen, da es in unserem Bank Rekord keine vorhandenen Erben eingetragen sind.

Wenn Sie Interesse haben für dieses geschäften, bitten wir Sie uns eine Antwort, wo wir Ihnen alles weitere mitteilen können.

Mit freundlichen Grüßen.

Mr.Martin Lukas
NB.Please if you understand english reply in english


  1. eine Absendeadresse xxx@latinmail.com wirkt wenig seriös
  2. Für einen Betrüger ganz anständig, für eine Bank sind 12,5 Mio U$D keine riesige Summe
  3. In welchem Staat ist die Bank ansässig, um welches Institut handelt es sich
  4. Welche Position bekleidet Herr Martin Lukas überhaupt
Um mit einer Stilblüte zu antworten:

Da müssen Sie sich schon einen Dümmeren als mich suchen. Den werden Sie blos nicht finden.

Der Schwanz wackelt mit dem Hund

Inspiriert durch diesen Artikel, möchte ich davor warnen, die Wehrpflicht abzuschaffen oder durch eine laxe Einberufungspraxis ihr die verfassungsrechtlichen Grundlagen zu entziehen.

Unser Grundgesetz sagt in Artikel 12, dass niemand zu Zwangsarbeiten gezwungen werden darf. Eine ausdrücklich geregelte Ausnahme hiervon stellt die allgemeine Wehrpflicht für junge Männer, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, dar.

Aus Gewissensgründen kann an Stelle eines Wehrdienstes in Uniform und Waffe ein ziviler Ersatzdienst geleistet werden.

Dieser zivile Ersatzdienst führt mittlerweile ein munteres Eigenleben.

Während die Bundeswehr eigentlich zur Landesverteidigung derzeit nicht gebraucht wird und ihre Daseinsberechtigung aus humanitären Auslandseinsätzen und einem als aussichtslos zu bezeichnendem Abenteuer in Afghanistan bezieht, vgl. nur das Gedicht von Fontane aus dem Jahre 1847, ist der Zivi für das Funktionieren unseres sozialistischen Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken.

Die Wehrpflicht wurde aus der Erfahrung heraus begründet, einen Bürger in Uniform zu schaffen, der ein Erstarken militärischer Machtklüngel verhindern sollte.

Mit welcher Begründung ein ziviler Sozialdienst geschaffen werden könnte, dessen Ableistung im Allgemeinwohl, verfassungsrechtlich verankert werden kann, weiß ich nicht. Am ehesten käme mir das Unvermögen unserer Politiker in den Sinn, mit den ihnen anvertrauten Steuermilliarden, sorgsam umzugehen und lebenswerte Strukturen in unserem Lande zu schaffen und zu erhalten.

Der Zivildienstleistende ist nicht mehr wegzudenken, dank Geschick und Glück während der letzten 60 Jahren, sehe ich die Bundeswehr als Wehrpflichtigenarmee hingegen aus militärischen Gründen als verzichtbar an. Wir brauchen sie dennoch, um als Rechtfertigung für den zivilen Ersatzdienst herzuhalten. Wau...

Freitag, Juni 26, 2009

Verarmung oder Bereicherung der Umgangssprache durch das FamFG ?

Das FamFG, das zum 1.September 2009 das FGG ersetzt und vor allem das "Große Familiengericht" installiert und die bisher im BGB, Hausratsverordnung, ZPO und FGG verstreuten Verfahrensvorschriften in Familiensachen zusammenfasst, wird auch einige terminologische Änderungen mit sich bringen.

Künftig gibt es keine Parteien mehr in einem Rechtsstreit, sondern es wird einheitlich von Beteiligten gesprochen, aus Klagen werden Anträge und das Familiengericht entscheidet nicht mehr durch Urteil, sondern erlässt einheitlich Beschlüsse.

Die Zeiten, in denen eine wütende Ehefrau ihrem Mann am Telefon androhen konnte:
"Wenn Du nicht freiwillig die Kohle rüberschiebst, dann gehe ich zu meinem Anwalt, verklage Dich und Du wirst zu einem saftigen Unterhalt verurteilt", sind ab September endgültig vorbei.

Terminologisch korrekt müsste Sie nun drohen:

"dann lasse ich meinen Anwalt einen Antrag auf Zahlung von Unterhalt einreichen und gegen Dich wird der zutreffende Betrag im Beschlusswege festgesetzt werden"

Ob irgendwann in naher Zukunft das Telefonat so lauten wird:

"dann werde ich Dich durch meinen Anwalt verbeantragen lassen und Du wirst zu einem saftigen Unterhalt verbeschlusst werden"

klingt zumindest heute noch sehr gewöhnungsbedürftig.

Donnerstag, Juni 25, 2009

Solarstrom aus der Sahara

Bereits Mitte der 1980er Jahre wurde ich als Teenager Zeuge einer Diskussion, zwischen einem Bundestagsabgeordneten und einem Astrophysiker, ob man die Energiesorgen der Menschheit nicht dadurch lösen könne, indem im großen Stil Photovoltaikanlagen in der Wüste errichtet würden.

Der Astrophysiker gab damals zu bedenken, dass derartige Ideen in Fachkreisen bereits diskutiert würden, aber verworfen wurden.

Wenn man die Sonnenenergie in Strom umwandle, fehlt nach dem Energieerhaltungssatz zunächst die Wärmeenergie, die auf die Wüste trifft. Dies hätte nach (damaligen) Berechnungen eine so starke Abkühlung des Weltklimas zur Folge, dass sogar eine neue Eiszeit drohe.

Heute scheinen die Bedenken ja ausgeräumt zu sein, oder haben sich die physikalischen Gesetze in einem Ausmaß geändert, das man sonst nur bei den Verschuldensregeln der öffentlichen Haushalte kennt?

Steuererhöhungen

Ich bin dieses unsinnige Wahlkampfgetöse und Gedöns so leid.

Herr Bundesbfinanzminister verkündet heute für 2010 eine Nettokreditaufnahme von 86 Milliarden Euro. Um alleine die Zinsen hierfür bezahlen zu können, muss der Haushalt bei angenommenen Schuldzinsen von 4 Prozent jährlich 3,4, Mrd Euro aufbringen.

Da Kredite nicht aufgenommen werden, wenn das Geld sowieso da ist, müssen schließlich auch die Zinsen irgendwiefinanziert *) werden. Und das geht NUR durch Steuererhöhungen.

Damit mir nicht schlecht wird, blende ich die Tilgung der Schulden schlicht aus.

Parteien, die Steuererhöhungen nicht nur nicht totschweigen, sondern sogar ausschließen, werde ich nicht wählen.

*) das neue Verb "irgendwiefinanzieren" gefällt mir, als Substantiv "Irgendwiefinanzierung"

Dienstag, Juni 16, 2009

Zahlungsmoral

Ein neuer Mandant bittet telefonisch um einen Termin, den er auch bekommt.
Als er erscheint, goldbehängt mit dicker Armbanduhr, übergibt er einige Unterlagen und berichtet so beiläufig, dass er gerade von der Gerichtsverhandlung komme, aber nunmehr der Auffassung sei, einen Anwalt zu brauchen.

Wir legitimieren uns bei Gericht und warten zunächst das Sitzungsprotokoll ab, weil wir aus den Angaben des Mandanten nicht so recht schlau werden. Im Protokoll steht "Entscheidung ergeht am Ende der Sitzung", das Urteil ist dem Protokoll beigefügt.

Wir legen Berufung ein und machen einen Vorschuss geltend.

Drei Wochen später erfolgt eine erste höfliche Zahlungserinnerung. Die Berufungsbegründungsfrist wird antragsgemäß um einen Monat verlängert. Vier Tage vor Fristablauf übersenden wir den Entwurf einer Berufungsbegründung mit der Aufforderung um umgehenden Ausgleich der Rechnung per Fax. Sonst werde der Schriftsatz nicht eingereicht.

Der Mandant antwortet umgehend per e-mail und bittet uns darum, uns noch eine Woche zu gedulden.

Sollen wir uns auf dieses Spielchen einlassen ?

Freitag, Juni 12, 2009

Maßnahme

Ich habe soeben die website von welt-online aus meinen Lesezeichen gelöscht, weil ich die Schleichwerbung, die auf diesen Seiten unter dem Deckmantel redaktioneller Beiträge seit geraumer Zeit betrieben wird, nicht mehr länger zur Kenntnis nehmen möchte.

Das Fass zum Überlaufen brachte eine unter dem Deckmantel einer Leserumfrage betriebene Werbung für Sandwiches von 5 verschiedenen Fast-Food-Ketten.

Heißt Fast-Food eigentlich so, weil es sich nur beinahe um Essen handelt ? (*)


(*)Sorry, war nicht ernst gemeint

Mittwoch, Juni 10, 2009

Problem oder Scheinproblem ?

In den Klauseln eines Automobilherstellers lese ich folgendes:

Bei Vorführ- oder Geschäftsfahrzeugen beginnt der Lauf der Gewährleistungspflicht- in Abänderung der in Ziffer VII1 der Neufahrzeug-Verkaufsbedingungen enthaltenen Regelung - mit dem Tag der Erstzulassung lt. Eintrag im Fahrzeugbrief.


Ob das nicht gegen § 309, Ziff.8, b, ff BGB verstößt, weil im Einzelfall eine kürzere Verjährungsfrist als ein Jahr ab Ablieferung der Kaufsache erreicht werden kann ? Schließlich kann auch ein zugelassenes Fahrzeug mehrere Tage oder Monate auf dem Hof stehen kann, ohne dass eine Ablieferung erfolgt und somit den Lauf der Gewährleistungsfrist in Gang setzen würde.

Dienstag, Juni 09, 2009

Wahlpflicht

Lieber Herr SPD-Politiker Thießen,

ich begrüße ihren Vorschlag, jeden Bürger, der von seinem Wahlrecht nicht Gebrauch macht, mit einer Geldbuße von € 50 zu belegen, ausdrücklich. Denn dieser Vorschlag bedeutet das Ende der Wirtschaftskrise.

Etwa 500 Millionen EU-Bürger waren jüngst dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Hiervon haben nur ca. 260.000.000 tatsächlich gewählt.

Das ergibt ein potentielles Bußgeldaufkommen in der EU von 12 Milliarden Euro.

Um diese beizutreiben müssten 240 Millionen Anhörungsschreiben verschickt werden, dies bedeutet etwa 125.000.000 Euro an Portokosten, die auf diese Weise die Subventionshaushalte zur Unterstützung notleidender Briefbeförderer entlasten könnten. Allerdings sollten die Anhörungsschreiben auf klimafreundlichem Papier mit ungiftiger Tinte gedruckt werden.

Ferner müssten Heerscharen von Sachbearbeitern eingesetzt werden, da mit Einwendungen bei etwa 41 Prozent der Empfänger oder deren Erben gerechnet werden muss.

Wie das Abschneiden der Piratenpartei überdies zeigt, gibt es neben wenigen guten Gründen Wählen zu gehen und vielen Gründen nicht Wählen zu gehen, noch die Möglichkeit einer Protestwahl.

Um nun die Wahlpflicht nicht zur Farce werden zu lassen oder gar durch die Abgabe vorsätzlich ungültig gemachter Stimmzettel zu umgehen, sollte der Grundsatz der allgemeinen, gleichen, freien und geheimen Wahlen moderat angepasst werden, indem der Wahlvorgang künftig moderiert, also von (finanziell) unabhängigen Hilfspersonen überwacht und begleitet werden könnte.

Statt lästiger Urnengänge und dem Umgang mit Papier und Bleistift hinter verhüllten Wahlkabinen, böte sich nach Altersgruppen gestaffelt ein öffentliches Kandidatencasting mit Televotefunktion, eine öffentliche Abstimmung nach dem Hammelsprungsystem oder die Vergabe von Mandaten im Rahmen von Tagesausflügen und Butterfahrten an.

In jedem Fall würde die Überwachung der Wahlpflicht einen solchen personellen und finanziellen Aufwand verursachen, dass sämtliche Rettungsschirme obsolet wären, wenn nur die richtigen Ideen umgesetzt und von flankierenden Maßnahmen begleitet werden würden.

Freitag, Juni 05, 2009

Prioritäten

Im April habe ich für ein Mitglied eines Kleintierzuchtvereines Klage gegen den Vereinsausschluss erhoben. Heute kommt die Terminsladung des Amtsgerichts:

1.Oktober 2009

Immerhin noch dieses Jahrzehnt.

Dienstag, Juni 02, 2009

Danke Papa

Mein Vater liegt seit letzter Woche mit schwerer Erkrankung und düsterer Prognose in der Klinik.

Zum Examen schrieb er mir vor einigen Jahren:

Philipp, nachdem Du dein Leben bisher mit "links" bewältigt hast, wäre es an der Zeit beide Hände zu benutzen.


Ich möchte mich nun mit einem Spruch von Augustinus bei ihm bedanken:

Auch wenn dein letzter Tag dich nicht als Sieger sehen wird, lass' ihn dich als Kämpfer sehen.


Papa, ich bewundere deinen Lebensmut.

Donnerstag, Mai 14, 2009

Realsatire mit einer großen Versicherung

In einer Unfallsache rechne ich meine Gebühren ab und nehme die Bankverbindung des Kanzleikontos fett in das Schreiben auf.

Die A.....z schreibt eine Woche später:

"Wir haben heute ... auf ihr Konto Völlig Falsche Bank und unbekannte Kontonummer überwiesen."


Ich schreibe zurück:

"Dieses Konto ist hier nicht bekannt. Bitte überweisen Sie an:
Goldrichtige Bank
Richtige Kontonummer"

Heute schreibt mir die Versicherung:

"Wir haben ihr Schreiben erhalten. Das Konto war in unserem System hinterlegt.
Können Sie dennn das Geld wieder zurücküberweisen?
Bevor wir die Gebühren neu anweisen, ist das notwendig."

Liebe A.....z-Versicherung,

wenn ich die Möglichkeit hätte, das Geld zurückzuüberweisen, wäre es ja in meinen Verfügungsbereich gelangt. Dann könnte ich es auch behalten. Ich habe Euch doch geschrieben, dass mir die Bankverbindung bei "Völlig Falsche Bank" unbekannt ist. Bin ich Jesus, Peer Steinbrück, Mr. Madloff ? (zutreffendes bitte ankreuzen).

Ob diese Bankverbindung bei Euch im System hinterlegt ist, kann sein. Nur, wie ist sie da hinein gekommen ? Ich habe nicht an eurem System herumgepfuscht.

Und mir ist auch egal, wie oft und an wen ihr den mir zustehenden Betrag überweist. Ihr werdet von eurer Verbindlichkeit meiner Mandantschaft gegenüber erst frei, wenn das Geld bei uns angekommen ist. Das nennt man gesetzliche Risikoverteilung.

So etwas von einer großen namhaften Versicherung zu lesen, die auch noch gerade ein Abenteuer mit der D......r Bank hinter sich gebracht hat, lässt mich nicht gerade Zutrauen zu eurer Kompetenz auf rechtlichem und finanziellem Gebiet finden.

Mittwoch, Mai 13, 2009

Warum die Rente so sicher ist wie sie ist

kann hier nachgelesen werden:



Eine Initiative der Regionalträger der Deutschen Rentenversicherung und der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See

....

Bei der Investitionsentscheidung lassen sich aber auch je nach persönlicher Risikobereitschaft und Marktkenntnis bestimmte Branchen oder Regionen gezielt auswählen.

Als vergleichsweise solide gelten Immobilienaktien. Dagegen gelten Technologie- und insbesondere Internetaktien seit der Börsenkrise 2000/2001 als spekulativ. Wer schnell hohe Gewinne erzielen will, kann gezielt in Wachstumsmärkte oder aufstrebende Regionen (Schwellenländer wie etwa Russland, Indien, China) investieren.

.....
Copyright: wdv OHG

Autor: Michael Krause

Zuletzt aktualisiert am 01.03.2007


Der Kursverlauf der letzten drei Jahre der Hypo Real Estate (eine Immobilienaktie) kann hier nachgeschaut werden.

Freitag, Mai 08, 2009

Heiliger Bürokratius

Ich stelle einen Antrag auf Erteilung einer Kennziffer für das Online-Mahnverfahren. In dem formlosen Schreiben finden sich einschließlich des Briefkopfes alle Angaben, die das Gericht hierfür benötigt.

Jetzt liegt mir das Rückfax vor, dem ein FORMULAR beigefügt ist.

Demnächst schreibe ich Behörden so an:

Betreff: Antrag um Kennzifferzuteilung (beliebig austauschbar)

Bitte um Zusendung des Formulars

dieses Schreiben ist auch ohne Unterschrift gültig

Ent-Emotionalisierung

Ob die Jugend ein Alkoholproblem hat, weil die Erwachsenengeneration ein Alkoholproblem hat, weil die Werbung für alkoholische Getränke omnipräsent ist, wage ich zu bezweifeln. Die ständigen Reize mögen das ihre dazu beitragen, Alkohol war aber schon immer Bestandtteil unserer Kultur.

Was mich bewegt ist eine Ent-Emotionalisierung oder sollte ich schreiben, Verrohung, der Gesellschaft? Virtuell einem Gegner den Kopf wegzuschießen und das Blut spritzen zu sehen, ist das eine. Ist ja nur virtuell. Einem Menschen beim Leiden zuzuschauen und statt zu helfen, ein Video aufzunehmen und Fotos zu machen, ist das andere.

Die Jugend trifft sich zum Koma-Saufen. Ein junges Mädchen setzt eine 0,7l Flasche Wodka an, leert diese in wenigen Sekunden und wird bewußtlos. Das Video kann bei You-Tube bestaunt werden.

“Man” betrinkt sich auch heute nicht mehr im Freundeskreis, sondern verabredet sich via sms und e-mail mit wildfremden Personen zum flash-mobbing. Das Saufen hat Event-Charakter. Auf Hilfe darf “man” bei diesem wildfremden Publikum nicht hoffen; der medizinische Notfall, das Anrücken der Sanitäter mit Sirene und Blaulicht gehört zum Unterhaltungsprogramm. Das Anfertigen von Videos und Fotos mit den Multimedia-Handys zum Beweis, “Ich war dabei” und zur raschen Verbreitung im Netz ist wichtiger.

Vorurteile eines spießigen CDU-Möchtegernpolitikers ? Mitnichten.

In meiner Rechtsanwaltskanzlei liegt mir gerade eine dicke Strafakte zur Einsicht vor. In einer Privatwohnung treffen sich 4 Personen, darunter ein Minderjähriger. Es wird Alkohol und Heroin konsumiert, der Wohnungsinhaber bricht mit Atemnot zusammen. Man legt ihn in die Badewanne, um ihn abzukühlen. Der junge Mann ist am Sterben. Statt einen Krankenwagen zu rufen, hauen die “Gäste” ab, treffen im Treppenhaus einen weiteren Besucher. Der “XY” ist tot, zum Beweis zeigen sie ihr Handy mit Fotos, die XY in der Badewanne zeigen.

Etwas läuft falsch in der Gesellschaft. Noch mag es sich um spektakuläre Einzelfälle handeln, doch auch bei einem Eisberg ragt nur die Spitze aus dem Wasser während das eigentliche Problem viel tiefer liegt.

Donnerstag, Mai 07, 2009

Danke, ich bin schon groß

Wer wissen will, wie sehr die Bevormundung von Suchmaschinen geht, sollte die Probe aufs Exempel selbst machen, etwa bei http://www.live.com/.

Während "Bikini" noch ganz nette Suchergebnisse bringt, wartet die Suche nach "Strumpfhose" mit einer unangenehmen Überraschung auf.

Danke Uschimäuschen.

Mittwoch, Mai 06, 2009

Rentenbetrug

Das neue Rentengarantiegesetz nenne ich Betrug. Nicht weil ich den Rentnern von heute, morgen und übermorgen nicht gönnen würde, einen planungssicheren monatlichen Betrag auf ihrem Konto zu finden, sondern weil ein marodes System aufgehübscht wird, mit gravierenden Folgen.

Die Rentenhöhe setzt sich zusammen aus den erworbenen (Lohn) , übertragenen (Versorgungsausgleich) oder angerechneten Entgeltpunkten (Kindererziehungszeiten), die sich nach dem Verhältnis der persönlichen Einkünfte zu den Durchschnittseinkünften im Zeitpunkt des Erwerbs richten multipliziert mit dem aktuellen Rentenwert.

Der aktuelle Rentenwert ist der Betrag, der einer monatlichen Rente aus Beiträgen eines Durchschnittverdieners für ein Jahr entspricht. Er wird durch die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrats jeweils am 1.7. eines Jahres festgelegt. Durch die Erhöhung des aktuellen Rentenwerts wird die Rente an die Veränderung der Löhne und Gehälter angepasst.
Wenn nun der Staat aus sozialpolitischen Erwägungen ein Absinken der Rente verhindert, indem künftige Rentenerhöhungen niedriger ausfallen sollen, bestraft er die Beitragszahler doppelt. Das Defizit der Rentenkassen ist durch Steuergelder auszugleichen, die den aktuellen Erwerbstätigen weggenommen werden müssen; und zwar allen. Zur Belohnung werden die künftigen Renten niedriger ausfallen, wenn bzw. falls die Löhne wieder steigen sollten. Die Beitragszahler, die diese gestiegenen Löhne erwirtschaften, haben aber nichts davon, weil ihre Rentensteigerung abgeflacht wird.

Sehr sozial, Herr Bundesarbeits- und Sozialminister Scholz.

Freitag, Mai 01, 2009

Erfahrungen in Gewaltschutzsachen

Letzte Woche ist es mir zum wiederholten Male passiert.

Eine Frau ruft für eine Bekannte an. Ehemann hat Ehefrau und Mutter mit 6 Kindern mit dem Messer bedroht. Bei der Besprechung schaue ich in einen Mund mit zahlreichen abgebrochenen Zähnen. Im Verlauf der Besprechung wird klar, die Frau wurde über Jahre geschlagen, war zeitweise im Frauenhaus. Auch das Ordnungsamt und die Polizei sind arlamiert und haben einen Platzverweis an den Ehemann ausgesprochen.

Natürlich lasse ich alles andere stehen und liegen, setzte eine sorgfältig formulierte eidesstattliche Versicherung auf und lasse eA und Hauptsacheantrag noch am selben Tag vorab per Fax herausgehen.

Zwei Tage später ist der Beschluss da, Termin zur mündlichen Verhandlung wird bestimmt. Wegen Terminskollision setze ich mich mit dem Familiengericht in Verbindung.

Überraschung !!! Die Mandantin war schneller, sie hat dem Gericht bereits mitgeteilt, dass man sich versöhnt habe und der Termin gar nicht stattfinden müsse. Das erfahre ich von der Geschäftsstelle.

Ich wünsche viel Glück und einen genauso duldsamen Anwalt beim nächsten Mal.